Niedertemperaturheizung heißt: Das Heizsystem kommt mit Vorlauftemperaturen von etwa 35 bis 55 °C aus statt mit 70 bis 90 °C wie früher üblich. Das klingt nach einer Detailfrage, ist aber die technische Voraussetzung dafür, dass eine Wärmepumpe wirtschaftlich läuft — und der Grund, warum Planung heute bei den Heizflächen beginnt und nicht beim Gerät.
Warum niedrige Temperaturen so viel ausmachen
Eine Wärmepumpe muss die Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Heizsystem überbrücken. Je kleiner dieser Hub, desto weniger Strom braucht der Verdichter. Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die Effizienz um rund 2 bis 3 %. Zwischen 55 °C und 40 °C liegen damit schnell 30 % Unterschied bei den Betriebskosten. Die Kennzahl dahinter erklärt Jahresarbeitszahl (JAZ), SCOP & COP.
Welche Heizflächen eignen sich?
| Heizfläche | Typische Vorlauftemperatur | Bewertung |
|---|---|---|
| Fußbodenheizung | 30–40 °C | ideal, größte Fläche |
| Wand- oder Deckenheizung | 30–40 °C | sehr gut, auch nachrüstbar |
| Niedertemperatur-Heizkörper | 40–50 °C | gut, im Bestand nachrüstbar |
| Plattenheizkörper Typ 22/33 | 45–55 °C | meist ausreichend |
| alte Gussradiatoren | 60–75 °C | meist zu klein |
Entscheidend ist nicht der Typ allein, sondern das Verhältnis von Heizfläche zur Raumheizlast. Die Prüfung im Detail steht unter Heizkörper tauschen für die Wärmepumpe.
So finden Sie heraus, ob Ihr Haus geeignet ist
- An einem kalten Tag alle Thermostatventile vollständig öffnen
- Vorlauftemperatur der Regelung schrittweise absenken, jeweils ein bis zwei Tage beobachten
- Notieren, bei welcher Temperatur die Räume ihre Solltemperatur gerade noch erreichen
- Liegt der Wert bei 55 °C oder darunter, ist das Gebäude wärmepumpentauglich
- Bleiben einzelne Räume zurück, genau diese Heizflächen vergrößern — nicht die Systemtemperatur wieder anheben
Die belastbare Grundlage liefert die raumweise Heizlastberechnung, ergänzt um den hydraulischen Abgleich.
Der Weg zur Niedertemperatur im Bestand
- hydraulisch abgleichen: ohne gleichmäßige Versorgung bleibt die Systemtemperatur unnötig hoch
- einzelne Heizkörper vergrößern statt alle zu tauschen
- Heizkurve anpassen und Nachtabsenkung reduzieren
- Rohrleitungen dämmen, damit die Wärme dort ankommt, wo sie gebraucht wird
- Fenster und oberste Geschossdecke — jede Dämmmaßnahme senkt die nötige Vorlauftemperatur zusätzlich
Häufige Missverständnisse
- „Ohne Fußbodenheizung geht keine Wärmepumpe." Falsch — entscheidend ist die tatsächlich benötigte Vorlauftemperatur, und viele Bestandsheizkörper sind großzügig dimensioniert.
- „Niedertemperatur heißt kalte Räume." Nein — die Raumtemperatur bleibt gleich, nur das Heizwasser ist kühler, dafür ist die Fläche größer.
- „Ein Niedertemperaturkessel ist eine Niedertemperaturheizung." Zwei verschiedene Dinge: Der Kessel senkt seine Kesseltemperatur gleitend, arbeitet aber weiter mit hohen Vorlaufwerten — siehe Niedertemperaturkessel.
Fazit
Niedertemperatur ist kein Produktmerkmal, sondern das Ergebnis von ausreichender Heizfläche und sauberer Hydraulik. Wer diese beiden Punkte klärt, hat die Wärmepumpenfrage im Wesentlichen beantwortet. Wir messen die benötigte Vorlauftemperatur bei Ihnen vor Ort in München und Umland: Anfrage stellen.



