Wenn einzelne Räume trotz aufgedrehter Regelung kühl bleiben oder es im Boden gluckert, steckt meist Luft im Heizkreis. Eine Fußbodenheizung wird anders entlüftet als ein Heizkörper: Es genügt nicht, ein Ventil kurz zu öffnen — jeder Heizkreis muss einzeln durchgespült werden. Diese Anleitung zeigt das Vorgehen Schritt für Schritt.
Woran Sie Luft im System erkennen
- Gluckern oder Rauschen im Estrich, besonders nach dem Anfahren der Heizung
- einzelne Räume oder Flächen bleiben kalt, andere werden normal warm
- der Anlagendruck ist gesunken, im Manometer unter etwa 1,5 bar
- die Vorlauftemperatur steigt, aber der Rücklauf des betroffenen Kreises bleibt kühl
- die Durchflussanzeiger am Verteiler stehen still oder schwanken
Das brauchen Sie
- Schlauch, der auf den Entleerungshahn des Verteilers passt, plus Schlauchschelle
- Eimer oder Bodenablauf
- Wasseranschluss zum Nachspeisen (Füll- und Entleerungshahn)
- Maulschlüssel oder Innensechskant für die Absperrungen am Verteiler
- Lappen — es wird nass
Anleitung: Fußbodenheizung Kreis für Kreis entlüften
- Heizung ausschalten und Umwälzpumpe stoppen. Anlage mindestens 30 Minuten ruhen lassen, damit sich die Luft oben sammelt.
- Am Verteiler alle Heizkreise schließen — sowohl im Vorlauf- als auch im Rücklaufbalken. Notieren Sie vorher die Voreinstellwerte.
- Schlauch anschließen am Entleerungshahn des Rücklaufbalkens, das andere Ende in den Eimer oder den Ablauf.
- Ersten Heizkreis öffnen — nur diesen einen, im Vor- und Rücklauf.
- Füllhahn öffnen und Wasser durch den Kreis drücken, bis am Schlauchende blasenfreies Wasser austritt. Bei langen Kreisen dauert das mehrere Minuten.
- Kreis schließen, nächsten öffnen und den Vorgang wiederholen — bis alle Kreise durch sind.
- Alle Kreise wieder öffnen, Voreinstellwerte des hydraulischen Abgleichs zurücksetzen.
- Anlagendruck prüfen und auf den Sollwert nachfüllen, meist 1,5 bis 2,0 bar. Der genaue Wert steht am Kessel oder in der Anlagendokumentation.
- Heizung einschalten, nach ein bis zwei Tagen Druck erneut kontrollieren und gegebenenfalls nachspeisen.
Wichtige Hinweise
- Nur mit passendem Heizungswasser nachfüllen. In Regionen mit hartem Wasser — im Münchner Raum verbreitet — ist entsalztes oder aufbereitetes Wasser nach VDI 2035 vorgeschrieben. Kalk zerstört Wärmetauscher.
- Mietwohnung: Arbeiten an Verteiler und Anlagendruck sind Sache des Vermieters oder der Hausverwaltung.
- Wärmepumpe im System: Nicht selbst nachspeisen, wenn Sie den Sollwert nicht kennen — zu hoher Druck löst das Sicherheitsventil aus.
- Sinkt der Druck wiederholt, liegt kein Luftproblem vor, sondern eine Undichtigkeit oder ein defektes Ausdehnungsgefäß. Das gehört in Fachhände.
Wenn Räume danach immer noch kalt bleiben
Dann ist meist nicht Luft die Ursache, sondern die Hydraulik. Ohne hydraulischen Abgleich nimmt das Heizwasser den kürzesten Weg: Kurze Kreise nahe am Verteiler werden gut versorgt, lange Kreise bleiben unterversorgt. Weitere Ursachen:
- klemmender Stellantrieb am Verteiler — bei stromlos geschlossenen Antrieben ein Klassiker
- falsch eingestellte Raumthermostate oder vertauschte Zuordnung der Kreise
- zu niedrige Vorlauftemperatur bei zu großer Heizlast des Raumes
- verschlammtes System, das gespült werden muss
Fußbodenheizung und Wärmepumpe
Für eine Wärmepumpe ist die Fußbodenheizung die ideale Heizfläche: große Fläche, niedrige Vorlauftemperatur, hohe Jahresarbeitszahl. Umso wichtiger ist ein luftfreies, sauber abgeglichenes System — schon wenige Grad höhere Vorlauftemperatur kosten spürbar Stromkosten, wie der Beitrag zur Jahresarbeitszahl zeigt. Auch der Vergleich Heizkörper oder Fußbodenheizung ordnet das ein.
Fazit
Entlüften der Fußbodenheizung heißt spülen, nicht kurz aufdrehen — Kreis für Kreis, mit geschlossenen Nachbarkreisen. Wer den Anlagendruck oder die Wasserqualität nicht sicher beurteilen kann, sollte den Termin mit der jährlichen Wartung verbinden. In München und Umland übernehmen wir das inklusive Abgleich und Dokumentation: Termin anfragen.



