Gluckernde Heizkörper, kalte Oberkanten, sinkender Anlagendruck: Fast immer ist Luft im Heizsystem die Ursache. Entlüften dauert pro Heizkörper zwei Minuten und spart spürbar Energie, weil die Anlage sonst mit höherer Vorlauftemperatur arbeiten muss. Diese Anleitung zeigt das richtige Vorgehen — inklusive der Besonderheiten in der Mietwohnung.
Woran Sie erkennen, dass Luft im System ist
- der Heizkörper wird oben nicht warm, unten aber schon
- Gluckern, Blubbern oder Rauschen nach dem Anfahren der Heizung
- das Manometer am Kessel zeigt unter etwa 1,0 bis 1,5 bar
- einzelne Räume brauchen deutlich länger, um warm zu werden
- die Umwälzpumpe läuft hörbar lauter als sonst
Das brauchen Sie
- Entlüftungsschlüssel (Vierkant) oder Schlitzschraubendreher
- kleines Gefäß und Lappen — es tritt Wasser aus
- Zugang zum Manometer und zum Füllhahn der Anlage
Anleitung in sieben Schritten
- Umwälzpumpe ausschalten beziehungsweise die Heizung auf Standby setzen. Danach 30 bis 60 Minuten warten, damit sich die Luft oben sammelt.
- Thermostatventile voll aufdrehen an allen Heizkörpern.
- Reihenfolge festlegen: vom kesselnächsten zum entferntesten Heizkörper, im Mehrfamilienhaus von unten nach oben.
- Ventil öffnen: Entlüftungsschlüssel am oberen Ende des Heizkörpers ansetzen, eine halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn. Gefäß darunterhalten.
- Warten, bis Wasser kommt: Zuerst zischt Luft, dann tritt ein gleichmäßiger Wasserstrahl aus. Erst dann schließen — nicht überdrehen.
- Anlagendruck prüfen: Sollwert steht am Kessel oder in der Anlagendokumentation, meist 1,5 bis 2,0 bar. Liegt er darunter, nachspeisen.
- Pumpe wieder einschalten und nach ein bis zwei Tagen Druck und Wärmeverteilung erneut kontrollieren.
Heizung entlüften in der Mietwohnung
Das Entlüften der eigenen Heizkörper dürfen Mieter selbst übernehmen — es zählt zur normalen Nutzung. Alles, was darüber hinausgeht, ist Sache des Vermieters oder der Hausverwaltung:
- Nachspeisen von Heizungswasser — der Zugang zur Anlage liegt beim Vermieter, und die Wasserqualität muss stimmen
- wiederholter Druckverlust — Hinweis auf Leck oder defektes Ausdehnungsgefäß, unbedingt melden
- Heizkörper bleibt trotz Entlüften kalt — Mangel anzeigen, nicht selbst am Ventil schrauben
Tipp: Wird nach dem Entlüften nachgespeist, sollten alle Wohnungen im Strang nacheinander entlüftet werden — sonst wandert die Luft nur weiter nach oben.
Häufige Fehler
- Pumpe läuft weiter: Die Luft bleibt in Bewegung und lässt sich nicht abscheiden.
- Falsche Reihenfolge: Wer oben beginnt, drückt Luft in die unteren Heizkörper zurück.
- Druck nicht kontrolliert: Nach dem Entlüften fehlt Wasser — die Anlage schaltet im schlimmsten Fall auf Störung.
- Ungeeignetes Füllwasser: Im Münchner Raum ist das Leitungswasser hart. Nachspeisen sollte nach VDI 2035 mit aufbereitetem Wasser erfolgen, sonst verkalken Wärmetauscher.
Wenn Entlüften nicht hilft
Bleibt ein Heizkörper kalt, obwohl kein Zischen mehr kommt, liegt die Ursache woanders: klemmendes Thermostatventil, verschlammtes System oder fehlender hydraulischer Abgleich. Die Ursachen im Detail stehen unter Heizkörper wird nicht warm. Bei einer Fußbodenheizung funktioniert das Entlüften ohnehin anders — dort muss jeder Kreis einzeln gespült werden, siehe Fußbodenheizung entlüften.
Warum das bei einer Wärmepumpe besonders zählt
Luftpolster in Heizkörpern verkleinern die wirksame Heizfläche. Um die Räume trotzdem warm zu bekommen, wird die Vorlauftemperatur erhöht — und genau das kostet bei einer Wärmepumpe rund 2 bis 3 % Effizienz je Grad. Ein luftfreies, sauber abgeglichenes System ist deshalb Voraussetzung für eine gute Jahresarbeitszahl, siehe Hydraulischer Abgleich und Jahresarbeitszahl erklärt.
Fazit
Einmal jährlich vor der Heizperiode entlüften genügt in den meisten Anlagen. Wer dabei regelmäßig Druckverlust feststellt, sollte das System prüfen lassen, statt immer wieder nachzufüllen. Wir übernehmen das in München und Umland zusammen mit der jährlichen Wartung: Termin anfragen.



