R290 ist reines Propan und arbeitet in modernen Wärmepumpen als Kältemittel. Es hat ein Treibhauspotenzial (GWP) von 3 — synthetische Kältemittel wie R410A liegen bei rund 2.088. Deshalb ist R290 nicht von den Beschränkungen der F-Gase-Verordnung betroffen und löst zusätzlich den Effizienzbonus in der Förderung aus.
Warum natürliche Kältemittel gerade Standard werden
Die europäische F-Gase-Verordnung senkt die zulässige Menge fluorierter Treibhausgase stufenweise ab. Für Hersteller heißt das: Geräte mit hohem GWP werden teurer und schwerer lieferbar. Praktisch jede neue Luft-Wasser-Wärmepumpe im Ein- und Zweifamilienhaus kommt inzwischen mit R290 auf den Markt.
| Kältemittel | GWP | Typische Vorlauf-Obergrenze | Status |
|---|---|---|---|
| R290 (Propan) | 3 | bis ca. 70 °C | Neugeräte-Standard |
| R32 | 675 | bis ca. 60 °C | Übergangslösung |
| R410A | 2.088 | bis ca. 55 °C | auslaufend |
Der eigentliche Vorteil: hohe Vorlauftemperatur
Propan erreicht auch bei niedrigen Außentemperaturen Vorlauftemperaturen um 70 °C, ohne dass ein Heizstab einspringen muss. Genau das entscheidet im Bestand: Wo alte Heizkörper an frostigen Tagen 60 °C brauchen, schafft eine R290-Maschine das noch mit vertretbarer Leistungszahl. Damit wird der Einsatz im Altbau in vielen Fällen erst wirtschaftlich — und der teure Komplettaustausch aller Heizflächen unnötig.
Trotzdem gilt weiter: Jede Absenkung der Vorlauftemperatur um 5 K spart grob 10 bis 15 % Strom. Der Beitrag zur Vorlauftemperatur zeigt, wie weit sich das ohne Komfortverlust drücken lässt.
Ist Propan gefährlich?
Propan ist brennbar — deshalb gelten Sicherheitsregeln, keine Verbote. Die Füllmenge einer Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus liegt meist zwischen 150 und 600 Gramm, vergleichbar mit einer Campinggaskartusche. Der Kältekreis ist im Außengerät gekapselt, ins Haus gelangt nur Heizungswasser. Zu beachten sind:
- Ein herstellerabhängiger Schutzbereich rund um das Gerät, in dem keine Kellerschächte, Lichtschächte oder Kellerfenster liegen dürfen — Propan ist schwerer als Luft und würde sich dort sammeln.
- Keine Zündquellen im Schutzbereich, etwa Außensteckdosen oder Abluftöffnungen.
- Aufstellung im Freien; eine Innenaufstellung ist nur mit besonderen Maßnahmen zulässig und im Wohnbau die Ausnahme.
Der Schutzbereich ist der Grund, warum bei R290-Geräten die Aufstellplanung wichtiger ist als früher. In dichter Münchner Bebauung mit Lichtschächten und schmalen Grundstücksstreifen entscheidet er oft über den Standort.
Was heißt das für Wartung und Reparatur?
Für R290 gibt es keine Dichtheitsprüfpflicht nach der F-Gase-Verordnung, weil das Kältemittel nicht fluoriert ist. Arbeiten am Kältekreis darf trotzdem nur ein qualifizierter Fachbetrieb ausführen. Die reguläre Wartung unterscheidet sich sonst kaum von anderen Geräten — Verdampfer reinigen, Kondensatablauf prüfen, Betriebsdaten auslesen. Was in welchem Intervall ansteht, steht im Beitrag zu Wartungsintervallen und Kosten.
Der Effizienzbonus in der Förderung
Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel erhalten fünf Prozentpunkte zusätzlichen Zuschuss. Bei 30.000 € förderfähigen Kosten sind das 1.500 €, die praktisch ohne Mehrkosten mitgenommen werden — R290-Geräte kosten in der Anschaffung nicht mehr als vergleichbare R32-Modelle. Dieselben fünf Punkte gibt es alternativ für Erdwärme, kombinieren lässt sich der Bonus aber nicht doppelt.
Worauf beim Angebot achten
- Steht das konkrete Kältemittel im Angebot — oder nur „umweltfreundlich"?
- Ist der Schutzbereich am geplanten Standort eingehalten, inklusive Lichtschacht und Kellerfenster?
- Wurde die maximale Vorlauftemperatur bei Normaußentemperatur nachgewiesen, nicht nur bei 7 °C?
- Ist der Effizienzbonus im Förderantrag berücksichtigt?
Wir prüfen Standort und Schutzbereich vor der Angebotsphase — zur Beratung.



