Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Hebel für die Effizienz jeder Heizung — bei einer Wärmepumpe sogar der einzige, der wirklich groß wirkt. Jede Absenkung um 5 Kelvin senkt den Stromverbrauch um etwa 10 bis 15 %. Bei 3.500 kWh Jahresverbrauch sind das 350 bis 500 kWh, rund 100 bis 140 € im Jahr.
Warum das physikalisch so viel bringt
Eine Wärmepumpe muss die Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Vorlauf überwinden. Je kleiner diese Spanne, desto weniger Arbeit leistet der Verdichter. Bei 2 °C Außentemperatur und 55 °C Vorlauf beträgt der Hub 53 K; bei 40 °C Vorlauf nur noch 38 K. Das schlägt direkt auf die Jahresarbeitszahl durch.
Der Absenktest an einem kalten Tag
Das tatsächliche Potenzial zeigt ein einfacher Test, am besten bei Außentemperaturen unter 0 °C:
- Schritt 1: Alle Thermostatventile voll aufdrehen und 24 Stunden so lassen.
- Schritt 2: Vorlauftemperatur an der Regelung auf 50 °C begrenzen (bei Heizkörpern) bzw. 35 °C (bei Fußbodenheizung).
- Schritt 3: 48 Stunden warten, Raumtemperaturen notieren.
- Schritt 4: Halten alle Räume ihre Zieltemperatur, um 2 K weiter absenken und erneut 48 Stunden beobachten.
- Schritt 5: Sobald der erste Raum abfällt, 2 K zurückgehen. Dieser Wert ist die reale Auslegungstemperatur des Hauses.
Wichtig: Der Test funktioniert nur mit offenen Ventilen. Sonst messen Sie die Thermostate, nicht die Heizflächen. Für den Dauerbetrieb wird das Ergebnis anschließend in die Heizkurve übertragen.
Was die Heizflächen hergeben
| Heizfläche | Übliche Vorlauftemperatur | Absenkpotenzial |
|---|---|---|
| Fußbodenheizung | 30–35 °C | gering, schon niedrig |
| Große Heizkörper (Typ 22/33) | 45–50 °C | oft 5–10 K |
| Alte Gussradiatoren | 50–60 °C | 5–8 K, große Fläche hilft |
| Schmale Röhrenheizkörper | 60–70 °C | gering, Tausch prüfen |
Überraschend häufig sind bestehende Heizkörper größer, als sie sein müssten — alte Anlagen wurden mit reichlich Reserve ausgelegt, und seither wurden Fenster getauscht. Deshalb funktioniert die Absenkung im Bestand meist besser als erwartet.
Wenn einzelne Räume nicht mitkommen
Fällt beim Test nur ein Raum ab, ist selten die ganze Anlage das Problem. Übliche Ursachen und Reihenfolge der Prüfung:
- Heizkörper entlüften, siehe Anleitung.
- Voreinstellung des Ventils prüfen — ohne Abgleich bekommen entfernte Räume zu wenig Volumenstrom.
- Heizkörper verdeckt: Verkleidung, Vorhang oder Sofa davor kosten bis zu 20 % Leistung.
- Erst danach über einen größeren Heizkörper nachdenken — meist genügt ein einzelner statt aller.
Grenze nach unten: Warmwasser und Legionellen
Die Heizkurve darf niedrig laufen, die Warmwasserbereitung nicht. Der Speicher braucht 48 bis 52 °C und einen regelmäßigen Aufheizvorgang zum Legionellenschutz. Beides sind getrennte Sollwerte in der Regelung — wer sie verwechselt, senkt entweder umsonst oder gefährdet die Trinkwasserhygiene.
Was Sie nicht tun sollten
- Die Vorlauftemperatur senken und gleichzeitig Ventile zudrehen — das hebt sich auf.
- Nachtabsenkung als Sparmaßnahme aktivieren; bei Wärmepumpen ist der Wiederaufheizvorgang teurer.
- Alles auf einmal ändern. Ohne 48-Stunden-Fenster zwischen den Schritten ist das Ergebnis nicht bewertbar.
- Den Heizstab als Sicherheitsnetz mitlaufen lassen. Er verdeckt genau die Grenze, die Sie suchen.
Wir machen den Absenktest im Rahmen der Einregulierung und dokumentieren das Ergebnis — Termin anfragen.



