Eine vereiste Außeneinheit ist im Winter kein Defekt, sondern Physik. Der Verdampfer arbeitet kälter als die Umgebungsluft; deren Feuchtigkeit schlägt sich nieder und gefriert. Die Steuerung löst deshalb regelmäßig einen Abtauvorgang aus. Kritisch wird es erst, wenn das Eis nach dem Abtauen nicht verschwindet.
Wann sich Reif bildet
Die stärkste Vereisung entsteht nicht bei strengem Frost, sondern zwischen etwa +6 °C und −2 °C bei hoher Luftfeuchte — also im Münchner Novembernebel. Bei −10 °C und trockener Luft ist deutlich weniger Feuchtigkeit in der Luft, der Verdampfer bleibt vergleichsweise sauber.
Wie der Abtaubetrieb abläuft
Die meisten Geräte kehren den Kreisprozess kurzzeitig um: Warmes Kältemittel strömt in den Verdampfer und schmilzt das Eis. Die dafür nötige Wärme kommt aus dem Heizkreis, weshalb der Vorlauf in dieser Zeit sinkt. Ein Zyklus dauert typischerweise 3 bis 10 Minuten und läuft je nach Witterung alle 40 bis 90 Minuten.
- Der Ventilator steht oder dreht langsam, das Gerät klingt anders als sonst.
- Dampf über der Einheit ist normal — es ist verdunstendes Schmelzwasser, kein Rauch.
- Unter dem Gerät läuft Kondensat ab; bei Frost kann das eine Eisplatte bilden.
- Nach dem Abtauen fährt die Anlage kurz mit erhöhter Leistung nach.
Ein Abtauvorgang kostet Energie. Bei sehr kleinem Anlagenvolumen fehlt die Wärme dafür — dann ist ein Pufferspeicher tatsächlich sinnvoll.
Wann Vereisung zum Problem wird
| Beobachtung | Bewertung |
|---|---|
| Leichter Reif auf den Lamellen, verschwindet nach dem Abtauen | normal |
| Abtauzyklus alle 40–90 Minuten bei feuchter Kälte | normal |
| Geschlossene Eisschicht, die den Luftweg zusetzt | prüfen lassen |
| Eisblock im Gerätesockel, wächst über Tage | Kondensatablauf verstopft |
| Abtauen alle 15–20 Minuten | Störung oder Aufstellfehler |
| Gerät heizt nach Abtauen nicht mehr auf Solltemperatur | Fachbetrieb rufen |
Häufigste Ursache: der Kondensatablauf
Unter jedem Außengerät muss das Schmelzwasser weg. Fehlt ein Kiesbett oder eine Ablaufleitung, gefriert das Wasser im Sockel und wächst nach oben, bis es Ventilator und Lamellen blockiert. Was hilft:
- ausreichend hohe Aufstellung — mindestens 25 bis 30 cm über Grund, in schneereichen Lagen mehr
- frostsicherer Ablauf: Kiesbett mit Sickerpackung oder beheizte Kondensatleitung
- keine Aufstellung in einer Mulde oder direkt auf Betonplatte ohne Gefälle
- im Winter Laub und Schnee vor der Ansaugseite entfernen
Was Sie selbst prüfen können
- Freier Luftweg: mindestens der vom Hersteller geforderte Abstand nach vorn, seitlich und nach oben.
- Keine Hecke, Sichtschutzwand oder Mülltonne direkt vor dem Verdampfer.
- Betriebsdaten auslesen: Zahl der Abtauzyklen pro Tag über die Regelung.
- Schnee vom Gerätedach räumen, aber nichts mit Werkzeug vom Verdampfer kratzen — die Lamellen sind dünn und beschädigen leicht.
- Kein heißes Wasser übergießen: Es gefriert unten wieder und verschlimmert das Problem.
Wenn es keine Aufstellfrage ist
Bleibt die Vereisung trotz freier Aufstellung und funktionierendem Ablauf, kommen technische Ursachen in Frage: ein defekter Abtaufühler, zu geringe Kältemittelfüllung, ein verschmutzter Verdampfer oder ein Ventilator, der nicht auf volle Drehzahl geht. Alle vier gehören in die Hände eines Fachbetriebs. Bei einer jährlichen Wartung fallen sie meist auf, bevor sie im Januar zum Ausfall führen.
Auswirkung auf den Verbrauch
Normales Abtauen kostet über eine Heizsaison etwa 2 bis 5 % der Jahresarbeit — eingerechnet in jeden seriösen SCOP-Wert. Häufen sich die Zyklen, steigt der Verbrauch deutlich und der Verdichter arbeitet in ungünstigen Betriebspunkten, was auch die Lebensdauer drückt. Ein Blick auf die Zykluszahl ist deshalb die günstigste Diagnose, die es gibt.
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