Eine Erdwärmesonde erschließt konstante 8 bis 12 °C in 50 bis 150 Metern Tiefe. Sie ist die effizienteste Wärmequelle für ein Einfamilienhaus, verlangt aber eine Bohrung, eine wasserrechtliche Erlaubnis und den größten Kostenblock der ganzen Anlage.
Was die Bohrung kostet
| Position | Richtpreis |
|---|---|
| Bohrung inkl. Sonde und Verpressung | 55–90 € je Meter |
| Typische Gesamttiefe EFH (8–12 kW) | 120–180 m |
| Bohrkosten gesamt | 8.000–15.000 € |
| Sole-Verteiler, Anbindeleitungen, Erdarbeiten | 2.000–4.500 € |
| Wärmepumpe (Sole-Wasser) | 13.000–20.000 € |
| Genehmigung, Gutachten, Nachweise | 500–2.000 € |
Gesamt landet ein Einfamilienhaus bei 25.000 bis 40.000 € vor Förderung. Erdwärme löst den Effizienzbonus aus, sodass nach Zuschuss oft 10.000 bis 16.000 € verbleiben. Die Systematik erklärt die Förderanleitung.
Wie tief muss gebohrt werden?
Die Entzugsleistung hängt vom Untergrund ab: In feuchtem Kies liefert ein Meter Sonde 50 bis 65 Watt, in trockenem Sand nur 25 bis 35 Watt. Für eine 10-kW-Wärmepumpe mit rund 7,5 kW Entzugsleistung ergibt das:
- guter Untergrund: rund 125 Bohrmeter
- mittlerer Untergrund: rund 170 Bohrmeter
- schwacher Untergrund: über 220 Bohrmeter, oft auf zwei Sonden verteilt
Im Münchner Schotterebene-Untergrund sind die Werte meist gut, weil Grundwasser die Wärme nachführt. Verbindlich ist die Auslegung nach VDI 4640 durch den Bohrbetrieb.
Genehmigung: ohne geht es nicht
Erdwärmesonden brauchen eine wasserrechtliche Erlaubnis oder mindestens eine Anzeige bei der Kreisverwaltungsbehörde, fachlich begleitet vom Wasserwirtschaftsamt. Zu klären sind:
- Liegt das Grundstück in einem Wasserschutzgebiet? Dann sind Bohrungen meist ausgeschlossen.
- Gibt es Auflagen zur maximalen Bohrtiefe oder zur Anzahl der Sonden?
- Sind gespannte Grundwasserstockwerke zu erwarten, die nicht verbunden werden dürfen?
- Ab welcher Tiefe greift zusätzlich Bergrecht?
Das Verfahren dauert je nach Behörde vier bis zwölf Wochen. Es gehört an den Anfang der Planung, nicht ans Ende — mehr dazu unter Genehmigung in Bayern.
Der Ablauf auf der Baustelle
- Tag 0: Zufahrt prüfen. Das Bohrgerät ist 3 bis 12 Tonnen schwer und braucht eine Durchfahrt von mindestens 1,2 bis 2,5 m.
- Tag 1–2: Bohrung, meist als Spülbohrung. Bohrgut und Spülwasser müssen auf dem Grundstück abgesetzt werden können.
- Tag 2: Sonde einbringen (Doppel-U-Rohr aus PE) und mit Bentonit-Zement verpressen — die Verpressung sichert die Grundwasserstockwerke ab.
- Tag 3: Druckprobe, Anbindeleitungen im Graben zum Haus, Soleverteiler setzen.
- Tag 4: Befüllen, Entlüften, Übergabe an den Heizungsbauer.
Rechnen Sie mit Flurschäden: Rasen und Pflasterflächen im Arbeitsbereich sind danach herzustellen. Seriöse Angebote weisen das aus.
Was für Erdwärme spricht
- Jahresarbeitszahlen von 4,0 bis 4,8 statt 3,0 bis 3,8 bei Luft — rund 20 bis 25 % weniger Strom
- kein Außengerät, kein Schallthema, keine Nachbarschaftsdiskussion
- kein Leistungsabfall bei Frost
- passive Kühlung im Sommer für wenige Watt Pumpenstrom
- die Sonde hält über 50 Jahre — beim Gerätewechsel bleibt der teure Teil liegen
Wann sich die Bohrung nicht lohnt
Bei kleinem Wärmebedarf amortisiert sich der Mehrpreis kaum: Wer nur 8.000 kWh im Jahr braucht, spart gegenüber einer Luft-Wärmepumpe rund 250 € jährlich — bei 10.000 € Mehrinvestition. Auch fehlende Zufahrt, Wasserschutzgebiet oder ein Grundstück unter 200 m² sprechen dagegen. Die Alternative ohne Bohrung zeigt der Beitrag Flächenkollektor oder Erdsonde, den Systemvergleich Luft-Wasser gegen Erdwärme.
Wir klären Untergrund und Genehmigungslage, bevor Angebote eingeholt werden — mehr zur Erdwärme.



