Eine Abluftwärmepumpe entzieht der verbrauchten Raumluft Wärme, bevor diese das Haus verlässt. Weil die Abluft konstant rund 20 °C hat, arbeitet sie sehr effizient — allerdings nur so lange, wie genug Luft anfällt. Genau darin liegt ihre Grenze.
Das Prinzip
Eine kontrollierte Wohnraumlüftung saugt Luft aus Bad, Küche und WC ab und führt frische Luft in die Wohnräume nach. In der Fortluft steckt Wärme, die sonst verloren geht. Zwei Nutzungswege gibt es:
- Wärmerückgewinnung im Kreuzstromtauscher: überträgt 75 bis 90 % der Wärme direkt auf die Zuluft — Standard bei jeder guten Lüftungsanlage, ohne Wärmepumpe.
- Abluftwärmepumpe: hebt die verbleibende Restwärme auf Heiz- oder Warmwassertemperatur an. Sie wird hinter den Wärmetauscher gesetzt oder ersetzt ihn.
Die Leistungsgrenze
Ein Einfamilienhaus mit 150 m² hat einen Luftwechsel von etwa 180 m³/h. Wird diese Luft um 15 Kelvin abgekühlt, ergibt das rund 0,9 kW Wärmeleistung — mit Wärmepumpe entstehen daraus etwa 1,2 kW Heizleistung. Der Wärmebedarf eines gut gedämmten Neubaus liegt bei 4 bis 6 kW. Die Abluft allein reicht also nicht; sie ist eine Teilquelle.
| Einsatz | trägt sie? |
|---|---|
| Warmwasser für 2–4 Personen | ja, vollständig |
| Heizung Passivhaus/KfW-40 | oft ja, mit Kompaktgerät |
| Heizung Neubau nach GEG-Standard | nur anteilig |
| Heizung im Bestand | nein |
Kompaktgeräte im Neubau
Für sehr effiziente Neubauten gibt es Kompaktgeräte, die Lüftung, Wärmerückgewinnung, Heizung und Warmwasser in einem Schrank vereinen. Vorteile: nur ein Gerät, geringer Platzbedarf, kein Außengerät und damit kein Schallthema in der Nachbarschaft. Nachteile: begrenzte Heizleistung, elektrische Nachheizung an kalten Tagen und vergleichsweise hoher Preis von 14.000 bis 22.000 €.
Die Brauchwasser-Variante
Deutlich verbreiteter ist die Nutzung der Abluft ausschließlich für Warmwasser. Viele Brauchwasser-Wärmepumpen lassen sich mit Luftkanälen an die Abluft anschließen — statt den Keller abzukühlen, arbeiten sie mit 20 °C warmer Fortluft und erreichen Arbeitszahlen um 3,5. Für Häuser mit vorhandener Lüftungsanlage ist das die naheliegendste Kombination.
Was zu beachten ist
- Luftmenge: Die Anlage darf nicht mehr Luft ziehen, als die Lüftung liefert — sonst zieht sie Falschluft und kühlt den Aufstellraum aus.
- Betriebszeiten: Läuft die Lüftung nachts reduziert, sinkt auch die Wärmequelle. Die Warmwasserbereitung entsprechend legen.
- Filter: Fettbelastete Küchenabluft setzt Wärmetauscher zu; Filterwechsel gehört in den Wartungsplan.
- Schall: Kanäle übertragen Geräusche in die Wohnräume; Schalldämpfer einplanen.
- Feuchte: Kondensat fällt an und muss frostsicher abgeführt werden.
Abgrenzung zur klassischen Wärmepumpe
Die Abluftwärmepumpe ist keine Alternative zur Luft-Wasser-Wärmepumpe, sondern eine Ergänzung mit begrenzter Quelle. Wer im Bestand heizt, braucht eine Quelle mit ausreichender Leistung — Außenluft, Erdreich oder Grundwasser. In sehr effizienten Neubauten dagegen kann die Abluft genügen und macht das Außengerät überflüssig. Die Übersicht aller Quellen bietet Wie funktioniert eine Wärmepumpe.
Lüftung nachrüsten?
Im Bestand ist die Kanalführung der Knackpunkt. Zentrale Anlagen brauchen Schächte oder abgehängte Decken; dezentrale Einzelraumlüfter mit Wärmerückgewinnung kommen ohne Kanäle aus, liefern aber keine nutzbare Abluftmenge für eine Wärmepumpe. Wer nachrüstet, sollte deshalb Lüftung und Wärmeerzeugung getrennt planen — und die Wärmepumpe nach der Heizlast auslegen, nicht nach der Luftmenge.
Wir klären, ob Ihre Lüftung als Quelle taugt — Kontakt aufnehmen.



