Eine Zirkulationsleitung sorgt dafür, dass sofort warmes Wasser aus dem Hahn kommt. Der Komfort hat einen Preis: Läuft die Zirkulationspumpe rund um die Uhr, kostet sie Pumpenstrom und hält gleichzeitig die Leitungen dauerhaft warm — die Wärmeverluste übersteigen den Stromverbrauch meist deutlich. Mit wenigen Eingriffen lässt sich beides stark reduzieren, ohne auf Komfort zu verzichten.
Wie die Zirkulation funktioniert
Vom letzten Entnahmepunkt führt eine zweite Leitung zurück zum Speicher. Eine kleine Pumpe hält das Wasser in Bewegung, sodass es in der Leitung nicht abkühlt. Ohne Zirkulation steht das Wasser in der Leitung und muss beim Öffnen des Hahns erst nachlaufen — in großen Häusern dauert das spürbar lange.
Was Dauerbetrieb kostet
| Posten | Richtwert pro Jahr |
|---|---|
| Pumpenstrom bei Dauerbetrieb | 200–400 kWh |
| Wärmeverluste der Zirkulationsleitung | oft 1.000–2.500 kWh Wärme |
| Zusätzliche Speicherverluste | je nach Dämmung |
Die Wärmeverluste sind der eigentliche Posten — und sie fallen im Sommer genauso an wie im Winter, dann sogar zusätzlich als unerwünschter Wärmeeintrag ins Haus.
Fünf Maßnahmen, die sofort wirken
- Zeitprogramm einrichten: Zirkulation nur morgens und abends, angepasst an den tatsächlichen Tagesablauf. Das ist der größte Hebel und kostet nichts.
- Anforderungstaster oder Strömungssensor: Die Pumpe läuft nur, wenn jemand kurz Wasser zapft oder den Taster drückt — Komfort bleibt, Dauerbetrieb entfällt.
- Thermostatische Zirkulationsventile: Sie drosseln den Rücklauf, sobald die Solltemperatur im Strang erreicht ist, und verhindern Kurzschlussströmungen.
- Leitungen dämmen: Zirkulationsleitungen sind laut GEG zu dämmen; in der Praxis sind sie oft nur teilweise isoliert. Faustregel: Dämmstärke gleich Rohrdurchmesser.
- Hocheffizienzpumpe einsetzen: moderne Zirkulationspumpen brauchen wenige Watt, siehe Heizungspumpe: Stromverbrauch und Tausch.
Legionellenschutz beachten
Die Zirkulation dient nicht nur dem Komfort, sondern auch der Hygiene: Nach den technischen Regeln (DVGW W 551) darf die Temperatur im Zirkulationssystem nicht mehr als 5 K unter der Speicheraustrittstemperatur liegen, und der Speicher soll ausreichend hohe Temperaturen erreichen. Für Ein- und Zweifamilienhäuser gelten geringere Anforderungen als für Großanlagen und vermietete Mehrfamilienhäuser. Wichtig:
- Abschaltzeiten je nach Anlagentyp begrenzen — in Großanlagen ist eine Unterbrechung von in der Regel maximal 8 Stunden pro Tag üblich
- regelmäßige Aufheizung des Speichers nicht deaktivieren
- bei vermieteten Mehrfamilienhäusern gelten Prüf- und Betreiberpflichten — Änderungen nur mit Fachbetrieb
Zirkulation und Wärmepumpe
Bei einer Wärmepumpe wiegt eine schlecht geregelte Zirkulation doppelt: Der zusätzliche Wärmebedarf muss auf hohem Temperaturniveau bereitgestellt werden — genau dort, wo die Effizienz am geringsten ist. Jede Kilowattstunde Zirkulationsverlust wird also mit einer schlechteren Arbeitszahl erzeugt als die Raumwärme. Deshalb gehört das Warmwasserkonzept immer in die Planung, siehe Warmwasser-Wärmepumpe und Jahresarbeitszahl erklärt.
Alternative: dezentrale Lösungen
- Frischwasserstation: erwärmt Trinkwasser im Durchfluss über den Pufferspeicher — kein stehendes Warmwasser im Speicher
- Wohnungsübergabestationen im Mehrfamilienhaus: Zirkulation nur im Heizungsnetz, nicht im Trinkwasser
- kurze Leitungswege: bei Neubau und Kernsanierung die wirksamste Maßnahme — dann ist Zirkulation oft entbehrlich
Fazit
Die Zirkulation ist bequem, aber selten optimal eingestellt. Zeitprogramm, Anforderungstaster und Dämmung senken Verluste deutlich — solange die Hygieneanforderungen eingehalten werden. Wir prüfen Ihr Warmwassersystem im Rahmen der Heizungsoptimierung in München und Umland: Anfrage stellen.



