Legionellen vermehren sich zwischen 25 und 45 °C und sterben oberhalb von etwa 60 °C rasch ab. Wärmepumpen arbeiten am liebsten deutlich darunter — hier liegt der einzige echte Zielkonflikt zwischen Effizienz und Trinkwasserhygiene. Er ist lösbar, aber nicht ignorierbar.
Welche Temperaturen gelten
Die technischen Regeln (DVGW W 551) unterscheiden nach Anlagengröße:
| Anlagentyp | Anforderung |
|---|---|
| Großanlage (Speicher > 400 l oder > 3 l Inhalt je Leitung) | Speicheraustritt dauerhaft ≥ 60 °C, Zirkulationsrücklauf ≥ 55 °C |
| Kleinanlage (Ein-/Zweifamilienhaus) | keine feste Temperaturvorgabe, 50–60 °C empfohlen |
| Durchlauferhitzer / Frischwasserstation | kein Speichervolumen, Risiko sehr gering |
Die meisten Einfamilienhäuser fallen unter Kleinanlagen. Dort genügen in der Praxis 48 bis 52 °C Speichertemperatur plus ein regelmäßiger Aufheizvorgang. Vermietete Mehrfamilienhäuser sind fast immer Großanlagen — dort gilt die 60/55-Regel ohne Spielraum.
Die Prüfpflicht für Vermieter
Betreiber von Großanlagen mit Duschen, die Trinkwasser an Dritte abgeben — also praktisch jeder Vermieter eines Mehrfamilienhauses — müssen alle drei Jahre auf Legionellen untersuchen lassen. Die Probenahme erfolgt durch ein akkreditiertes Labor; bei Überschreitung des technischen Maßnahmenwerts von 100 KBE/100 ml sind Gefährdungsanalyse und Maßnahmen fällig. Wer eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus plant, muss das von Anfang an mitdenken.
So löst man das effizient
- Speicher moderat, Aufheizvorgang gezielt: Grundtemperatur 50 °C, ein- bis zweimal pro Woche automatisch auf 60 °C. Die Regelung bringt diese Funktion mit.
- Zeitpunkt legen: Aufheizen mittags, wenn die Photovoltaik liefert, oder in eine günstige Tarifzeit.
- Frischwasserstation statt Speicher: Trinkwasser wird erst beim Zapfen erwärmt, es steht keine warme Menge herum. Hygienisch die sauberste Lösung, siehe Vergleich Durchlauferhitzer und Speicher.
- Zirkulation begrenzen: Zeitschaltung statt Dauerbetrieb spart Strom und Wärme, siehe Zirkulation. In Großanlagen darf die Zirkulation aber höchstens 8 Stunden am Tag stillstehen.
Was der Aufheizvorgang kostet
Ein 300-Liter-Speicher von 50 auf 60 °C zu bringen braucht rund 3,5 kWh Wärme. Bei einer Arbeitszahl von 2,2 in diesem Temperaturbereich sind das etwa 1,6 kWh Strom, also grob 45 Cent. Wöchentlich gerechnet sind das unter 25 € im Jahr — ein schlechtes Argument, um darauf zu verzichten. Deutlich teurer wird es, wenn der Speicher dauerhaft auf 60 °C gehalten wird: Dann sinkt die Arbeitszahl der Warmwasserbereitung über das ganze Jahr.
Wo Legionellen tatsächlich entstehen
Nicht der Speicher ist meist das Problem, sondern stehendes lauwarmes Wasser in Leitungen:
- selten genutzte Zapfstellen — Gästebad, Waschküche, Außenzapfstelle
- tote Leitungsstränge nach einem Umbau, die nie zurückgebaut wurden
- Warm- und Kaltwasserleitungen ohne Trennung in einem Schacht: Das Kaltwasser erwärmt sich auf 25 bis 30 °C
- überdimensionierte Speicher, in denen Wasser tagelang steht
Wer eine Wohnung über Wochen nicht nutzt, sollte vor der ersten Dusche alle Zapfstellen einige Minuten heiß und kalt laufen lassen — bei geöffnetem Fenster und ohne im Sprühnebel zu stehen.
Bei der Planung mitbestellen
- Speichergröße am realen Bedarf auslegen, nicht großzügig — 250 bis 300 l reichen für vier Personen.
- Legionellenprogramm bei der Inbetriebnahme aktivieren und im Protokoll festhalten.
- Dämmung der Warmwasser- und Zirkulationsleitungen nach GEG ausführen.
- Bei Großanlagen Probenahmestellen von Anfang an einplanen — Nachrüsten kostet mehr.
Wir legen Speicher und Hygieneprogramm passend zum Haushalt aus — mehr zur Warmwasser-Wärmepumpe oder direkt anfragen.


