Die Heizkurve legt fest, welche Vorlauftemperatur die Wärmepumpe bei welcher Außentemperatur erzeugt. Sie ist die wichtigste Einstellung überhaupt: Jedes Kelvin zu viel kostet rund 2,5 % Strom. Zwei Parameter genügen — Steigung und Parallelverschiebung.
Die beiden Stellschrauben
- Steigung (Neigung): bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei fallender Außentemperatur ansteigt. Zu steil heißt: im Winter zu warm, in der Übergangszeit passend.
- Parallelverschiebung (Niveau): hebt oder senkt die gesamte Kurve. Zu hoch heißt: das ganze Jahr über zu warm.
Typische Startwerte: Fußbodenheizung 0,3 bis 0,5, Heizkörper im sanierten Bestand 0,6 bis 0,9, alte Heizkörper im unsanierten Altbau 1,0 bis 1,4. Das sind Ausgangspunkte, keine Zielwerte — die richtige Kurve findet nur das eigene Haus.
Vor dem Einstellen: Voraussetzungen schaffen
Ohne diese drei Punkte optimieren Sie ins Leere:
- Der hydraulische Abgleich ist gemacht, sonst überversorgt sich der nächstgelegene Raum.
- Alle Thermostatventile stehen voll offen — auch im Referenzraum. Die Heizkurve ersetzt die Einzelraumregelung, nicht umgekehrt.
- Die Nachtabsenkung ist deaktiviert. Bei Wärmepumpen kostet der morgendliche Wiederaufheizvorgang mehr, als die Absenkung spart.
Schritt für Schritt optimieren
Optimiert wird in kleinen Schritten über mehrere Tage. Schnellschüsse führen dazu, dass man die Trägheit des Gebäudes mit einer falschen Einstellung verwechselt.
- Schritt 1: Referenzraum wählen, meist Wohnzimmer. Thermometer aufstellen, Zieltemperatur festlegen (z. B. 21 °C).
- Schritt 2: Heizkurve um 0,1 senken oder das Niveau um 1 K reduzieren.
- Schritt 3: Zwei bis drei Tage warten, ohne weiter zu drehen. Raumtemperatur täglich zur selben Uhrzeit notieren.
- Schritt 4: Bleibt es warm genug, wiederholen. Wird es zu kühl, den letzten Schritt zurücknehmen — das ist die Einstellung.
- Schritt 5: Den Vorgang an einem kalten Tag prüfen. Ist es dann zu kühl, ist die Steigung zu flach; ist es nur in der Übergangszeit zu warm, ist sie zu steil.
Steigung oder Niveau — was ist falsch?
| Beobachtung | Ursache | Korrektur |
|---|---|---|
| im Winter zu kalt, sonst passend | Steigung zu flach | Steigung +0,1 |
| im Winter zu warm, sonst passend | Steigung zu steil | Steigung −0,1 |
| immer zu warm | Niveau zu hoch | Parallelverschiebung −1 bis −2 K |
| immer zu kalt | Niveau zu niedrig | Parallelverschiebung +1 bis +2 K |
| Übergangszeit zu warm, Winter passend | Steigung zu flach, Niveau zu hoch | Steigung +0,1, Niveau −2 K |
Woran Sie eine zu hohe Kurve erkennen
- Thermostatventile drosseln ständig, Räume werden ohne Regelung zu warm.
- Die Anlage taktet: kurze Laufzeiten, viele Starts pro Tag.
- Die Rücklauftemperatur liegt nah am Vorlauf — die Wärme wird nicht abgenommen.
- Der Stromverbrauch liegt deutlich über dem, was die Verbrauchsrechnung erwarten lässt.
Warmwasser getrennt betrachten
Die Heizkurve gilt nur für den Heizbetrieb. Die Warmwassertemperatur wird separat eingestellt — üblich sind 48 bis 52 °C plus ein programmierter Aufheizvorgang gegen Legionellen. Wer die Heizkurve anhebt, weil das Duschwasser zu kühl ist, hat an der falschen Stelle gedreht.
Wann Sie aufhören sollten
Wenn die Räume die Zieltemperatur an einem Tag mit Normaußentemperatur gerade noch halten, ist das Optimum erreicht. Weiter absenken heißt: Der Heizstab springt an kalten Tagen ein und frisst die Ersparnis mehrfach auf. Wie weit sich die Vorlauftemperatur insgesamt drücken lässt, hängt an den Heizflächen — dazu der Beitrag zur Vorlauftemperatur.
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