Das Kältemittel bestimmt, wie heiß eine Wärmepumpe werden kann, wie klimaschädlich sie im Leckagefall ist und welche Prüfpflichten auf den Betreiber zukommen. Vier Stoffe sind derzeit relevant — mit sehr unterschiedlichem Profil.
Die gängigen Kältemittel
| Kältemittel | GWP | max. Vorlauf | Eigenschaft | Status |
|---|---|---|---|---|
| R290 (Propan) | 3 | bis ca. 70–75 °C | brennbar (A3) | Neugeräte-Standard |
| R32 | 675 | bis ca. 60 °C | schwer entflammbar (A2L) | Übergang |
| R410A | 2.088 | bis ca. 55 °C | nicht brennbar (A1) | auslaufend |
| R744 (CO₂) | 1 | bis über 80 °C | Hochdruck, nicht brennbar | Nische, Warmwasser/Gewerbe |
GWP steht für Global Warming Potential: die Klimawirkung im Vergleich zu CO₂ über 100 Jahre. Ein Kilogramm R410A entspricht rund zwei Tonnen CO₂ — deshalb der regulatorische Druck.
Was die F-Gase-Verordnung bewirkt
Die EU senkt die zulässige Menge fluorierter Treibhausgase stufenweise ab und verbietet bestimmte Anwendungen mit hohem GWP. Praktische Folgen für Betreiber:
- Geräte mit R410A werden teurer, Ersatzkältemittel bei Reparaturen knapper.
- Für fluorierte Kältemittel gelten Dichtheitsprüfpflichten ab bestimmten CO₂-Äquivalenten — bei Einfamilienhaus-Geräten meist unterschritten, bei größeren Anlagen relevant.
- Arbeiten am Kältekreis sind zertifizierten Fachbetrieben vorbehalten.
- Natürliche Kältemittel wie Propan und CO₂ fallen nicht unter diese Beschränkungen.
Warum R290 zum Standard wurde
Propan verbindet niedriges GWP mit hohen erreichbaren Temperaturen — genau das, was der Gebäudebestand braucht. Es ist brennbar, weshalb ein herstellerdefinierter Schutzbereich um das Außengerät einzuhalten ist: keine Lichtschächte, Kellerfenster oder Zündquellen darin. Details stehen im Beitrag Kältemittel R290.
Wo R32 noch sinnvoll ist
R32 ist nur schwer entflammbar und darf deshalb leichter innen aufgestellt werden. Für Geräte zur Innenaufstellung und für Splitanlagen ist es weiterhin verbreitet. Der Nachteil: Mit GWP 675 entfällt der Effizienzbonus in der Förderung, und die erreichbare Vorlauftemperatur liegt niedriger.
CO₂ — Spezialist für hohe Temperaturen
R744 arbeitet mit Drücken über 100 bar und erreicht Vorlauftemperaturen jenseits von 80 °C bei sehr guter Effizienz — allerdings nur, wenn der Rücklauf kalt ist. Ideal ist das für Trinkwassererwärmung mit großem Temperaturhub, etwa in Mehrfamilienhäusern und Hotels. Für klassische Heizkreise mit kleiner Spreizung passt es weniger.
Was das für Ihre Kaufentscheidung heißt
- Außenaufstellung, Bestandsgebäude: R290 — höhere Temperaturen, Effizienzbonus, keine F-Gase-Auflagen.
- Innenaufstellung im Wohnbau: meist R32, dafür ohne Effizienzbonus.
- Neubau mit Flächenheizung: beide Mittel unkritisch, Auswahl über Effizienz und Schall.
- Warmwasser im Mehrfamilienhaus: CO₂-Geräte prüfen, siehe Legionellenschutz.
Fragen, die ins Angebot gehören
- Welches Kältemittel, welche Füllmenge, welches CO₂-Äquivalent?
- Ist der Schutzbereich am geplanten Standort eingehalten?
- Bestehen Dichtheitsprüfpflichten, und wer übernimmt sie?
- Ist der Effizienzbonus in der Förderkalkulation berücksichtigt?
Wir wählen das Kältemittel nach Aufstellsituation und Vorlauftemperatur aus, nicht nach Lagerbestand — zur Beratung.


