Solarthermie liefert kostenlose Wärme, Wärmepumpen liefern günstige Wärme. Beides zusammen klingt naheliegend — in der Praxis konkurrieren die Systeme aber um dieselben Betriebsstunden. In den meisten Einfamilienhäusern ist Photovoltaik die wirtschaftlichere Ergänzung.
Warum sich die Systeme überschneiden
Solarthermie ist genau dann stark, wenn die Wärmepumpe ohnehin effizient arbeitet: von April bis September, bei milden Temperaturen. Im Winter, wo die Wärmepumpe Unterstützung bräuchte, liefert ein Kollektor in München an vielen Tagen nur 10 bis 20 % seiner Nennleistung. Die Kombination verbessert also vor allem den Bereich, der ohnehin gut läuft.
Solarthermie gegen Photovoltaik als Ergänzung
| Solarthermie | Photovoltaik | |
|---|---|---|
| Ertrag je m² Dach | 350–500 kWh Wärme | 180–220 kWh Strom ≈ 550–770 kWh Wärme über WP |
| Nutzbar für | nur Wärme | Wärme, Haushalt, E-Auto, Einspeisung |
| Kosten (EFH) | 6.000–11.000 € | 10.000–16.000 € für 8–10 kWp |
| Überschuss | verpufft im Sommer | Einspeisevergütung |
| Wartung | Solekontrolle, Pumpe | praktisch keine |
Über den Umweg der Wärmepumpe erzeugt eine PV-Fläche mehr nutzbare Wärme als dieselbe Fläche Solarthermie — und der Überschuss ist verwertbar. Deshalb fällt die Empfehlung meist auf Photovoltaik.
Wann Solarthermie trotzdem passt
- Es ist bereits eine funktionierende Solarthermieanlage vorhanden — dann wird sie selbstverständlich weitergenutzt.
- Der Warmwasserbedarf ist hoch und gleichmäßig, etwa in Mehrpersonenhaushalten oder Beherbergungsbetrieben.
- Die Dachfläche ist klein, aber optimal ausgerichtet — Solarthermie holt aus wenigen Quadratmetern viel Wärme.
- Es besteht Interesse an Heizungsunterstützung in der Übergangszeit bei einer Flächenheizung mit 30 bis 35 °C Vorlauf.
Wie die Einbindung technisch aussieht
Der übliche Weg führt über einen Kombi- oder Schichtspeicher mit zwei Wärmetauschern: unten die Solarthermie, oben die Wärmepumpe. Die Regelung muss zwingend so eingestellt sein, dass die Wärmepumpe erst startet, wenn der Solarertrag nicht reicht. Ist das vertauscht, heizt die Wärmepumpe den Speicher, den die Sonne mittags kostenlos gefüllt hätte.
- getrennte Fühler für Solar- und Wärmepumpenbereich im Speicher
- Vorrangschaltung für die Solarthermie, mit Zeitverzögerung am Vormittag
- ausreichendes Speichervolumen, sonst stagniert die Solaranlage im Sommer
- Legionellenprogramm koordinieren, siehe Legionellenschutz
Der Effekt auf die Jahresarbeitszahl
Rechnerisch verbessert Solarthermie die Bilanz der Wärmepumpe, weil sie ihr die effizientesten Sommerstunden abnimmt — die gemessene Jahresarbeitszahl kann dadurch sogar sinken, obwohl der Gesamtverbrauch fällt. Wer Anlagen vergleicht, sollte deshalb den absoluten Stromverbrauch heranziehen, nicht die JAZ.
Kosten und Nutzen realistisch
Eine Solarthermieanlage für Warmwasser (5 bis 6 m²) kostet 6.000 bis 8.000 € und spart bei einer Wärmepumpe rund 350 bis 500 kWh Strom im Jahr — also 90 bis 140 €. Die Amortisation liegt damit jenseits von zwanzig Jahren. Mit Heizungsunterstützung (10 bis 14 m²) steigt die Ersparnis, aber auch die Investition. Gefördert werden Solarthermieanlagen als Einzelmaßnahme; die Details klärt die Förderberatung.
Fazit
Bestehende Solarthermie: behalten und sauber einbinden. Neuplanung mit Wärmepumpe: in der Regel Photovoltaik, gegebenenfalls mit Speicher. Wer beides auf dem Dach unterbringen will, sollte zuerst prüfen, welche Fläche für PV übrig bleibt — sie ist der wertvollere Quadratmeter. Mehr dazu unter Photovoltaik und Speicher.


