Wenn im Mai die letzte kalte Nacht vorbei ist, stellt sich die Frage: Heizung komplett abschalten oder einfach laufen lassen? Die kurze Antwort: nicht abschalten, sondern in den Sommerbetrieb umstellen. Der Unterschied klingt akademisch, entscheidet aber darüber, ob die Anlage Strom spart oder Schaden nimmt.
Sommerbetrieb statt Aus-Schalter
Nahezu jede moderne Regelung kennt eine Betriebsart „Sommer" oder eine Heizgrenztemperatur. Ist sie aktiv, bleiben Heizkreise und Heizkreispumpe aus, während die Warmwasserbereitung weiterläuft. Das spart Pumpenstrom und Bereitschaftsverluste — ohne dass Sie die Anlage vom Netz nehmen.
- Heizgrenze einstellen: typischerweise 15 bis 17 °C Außentemperatur, in gut gedämmten Häusern niedriger
- Warmwasser bleibt aktiv, inklusive Legionellenschutz
- Frostschutzfunktion bleibt erhalten — bei komplettem Abschalten nicht
- automatische Sommer-/Winterumschaltung nutzen, statt manuell umzustellen
Warum komplettes Abschalten keine gute Idee ist
- Pumpen setzen sich fest: Steht die Umwälzpumpe monatelang still, kann das Laufrad blockieren. Regelungen fahren die Pumpe deshalb periodisch kurz an — bei stromlos geschalteter Anlage entfällt das.
- Ventile und Stellantriebe verharzen, wenn sie nie bewegt werden. Auch dafür gibt es automatische Schutzfunktionen.
- Frostschutz fehlt — relevant bei kühlen Nächten im Frühjahr und Herbst und bei Anlagenteilen in unbeheizten Räumen.
- Fehler fallen erst im Oktober auf, wenn alle gleichzeitig den Notdienst brauchen.
Was Sie im Frühjahr sinnvoll tun
- Heizgrenze und Sommerbetrieb in der Regelung aktivieren oder prüfen
- Thermostatventile ganz öffnen — so bleiben Ventilstifte beweglich und setzen sich nicht fest
- Anlagendruck ablesen und notieren; ein schleichender Druckverlust fällt so früh auf
- Warmwassertemperatur prüfen: ausreichend hoch für den Legionellenschutz, aber nicht unnötig darüber
- Zirkulationszeiten anpassen, siehe Warmwasser-Zirkulation
- Wartungstermin legen: im Sommer sind Termine kurzfristig verfügbar
Was das bringt
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
| Heizkreispumpe im Sommer aus | je nach Pumpe 50–200 kWh Strom pro Sommer |
| Kessel im Warmwasserbetrieb | weniger Bereitschaftsverluste und Brennerstarts |
| Zirkulation zeitgesteuert | spürbar weniger Pumpenstrom und Speicherverluste |
Wie viel Strom die Heizung insgesamt zieht, zeigt der Beitrag Stromverbrauch der Heizung.
Sonderfall Wärmepumpe
Bei einer Wärmepumpe gilt dasselbe Prinzip: Sommerbetrieb aktivieren, Warmwasserbereitung weiterlaufen lassen. Zwei Besonderheiten kommen dazu:
- Warmwasser bevorzugt mittags bereiten, wenn Photovoltaikstrom verfügbar ist — siehe Wärmepumpe mit PV kombinieren
- Kühlfunktion: Geräte mit aktiver oder passiver Kühlung nutzen die Flächenheizung im Sommer zur Temperierung. Dabei Taupunkt beachten, damit kein Kondensat entsteht.
Und in der Mietwohnung?
Die zentrale Regelung liegt beim Vermieter. Mieter können lediglich die Thermostatventile öffnen und sollten die Heizkörper nicht dauerhaft zudrehen — sonst blockieren die Ventile bis zum Herbst. Bleibt im Sommer die Warmwasserversorgung aus oder wird zu kalt eingestellt, ist das ein Fall für die Hausverwaltung.
Fazit
Nicht abschalten, sondern umschalten: Sommerbetrieb aktivieren, Ventile öffnen, Druck prüfen und den Wartungstermin in die warme Jahreszeit legen. Das spart Strom und verhindert die typischen Startprobleme im Oktober. Wir übernehmen die Wartung in München und Umland — Termin anfragen.



