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Ratgeber

Hochtemperatur-Wärmepumpe: 70 °C für den Altbau.

Hochtemperatur-Wärmepumpe mit bis zu 70 oder 75 °C Vorlauf: wie sie das schafft, was sie an Effizienz kostet und wann sie im Altbau die richtige Wahl ist.

Münchener Wärmepumpen2 Min. Lesezeit
Hochtemperatur-Wärmepumpe: 70 °C für den Altbau

Als Hochtemperatur-Wärmepumpe gelten Geräte, die Vorlauftemperaturen von 70 °C und mehr erreichen — auch bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt und ohne elektrischen Heizstab. Damit lassen sich alte Heizkörper weiterbetreiben, die für 70/55 °C ausgelegt wurden.

Wie die hohen Temperaturen zustande kommen

Zwei technische Wege führen zum Ziel:

  • Natürliche Kältemittel: Propan (R290) hat einen hohen kritischen Punkt und schafft 70 bis 75 °C in einem einzigen Kreislauf. Das ist heute die verbreitetste Bauform.
  • Kaskadierte Kreisläufe: Zwei hintereinandergeschaltete Kältekreise heben die Temperatur in zwei Stufen. Technisch aufwendiger, dafür bei sehr großen Hüben stabil.

Beide arbeiten mit dem gleichen Grundprinzip wie jede andere Wärmepumpe, siehe Funktionsweise.

Was hohe Temperaturen kosten

VorlauftemperaturTypische ArbeitszahlStromkosten je 15.000 kWh Wärme
35 °C4,2ca. 1.000 €
45 °C3,6ca. 1.170 €
55 °C3,0ca. 1.400 €
70 °C2,3ca. 1.830 €

Gerechnet mit 28 ct/kWh. Der Unterschied zwischen 35 und 70 °C beträgt über 800 € pro Jahr — bei identischem Gebäude. Genau deshalb gilt: Hochtemperaturfähigkeit ist eine Rückversicherung für die kältesten Tage, kein Dauerbetriebszustand.

Der richtige Einsatz

Sinnvoll ist eine Hochtemperatur-Maschine, wenn im Absenktest herauskommt, dass das Haus an Normaußentemperatur mehr als 55 °C braucht und ein Austausch aller Heizkörper unwirtschaftlich wäre. Das trifft typischerweise zu bei:

  • unsanierten Gebäuden vor 1978 mit schmalen Gussradiatoren
  • denkmalgeschützten Fassaden, bei denen keine Dämmung möglich ist
  • Häusern mit Einrohrheizung, wo einzelne Heizkörper nicht getauscht werden können
  • Mehrfamilienhäusern mit hoher Warmwasserzirkulationstemperatur nach Trinkwasserverordnung

Die bessere Reihenfolge

Auch mit einem 70-Grad-Gerät sollte die Anlage so kalt wie möglich gefahren werden. Die Kurve wird auf das eingestellt, was das Haus tatsächlich braucht — die Reserve steht nur für die zehn kältesten Tage bereit. Wer vorher noch zwei bis drei kritische Räume mit größeren Heizkörpern ausstattet, senkt den Jahresverbrauch spürbar, ohne das Haus umzubauen. Welche Dämmmaßnahmen davor sinnvoll sind, zeigt Erst dämmen, dann Wärmepumpe?.

Preis und Förderung

Hochtemperaturfähige Geräte kosten etwa 1.500 bis 3.000 € mehr als vergleichbare Standardmodelle. Sie sind regulär förderfähig; Modelle mit R290 lösen zusätzlich den Effizienzbonus aus. Nach Abzug der Zuschüsse bleibt der Aufpreis überschaubar — die höheren Betriebskosten wiegen langfristig schwerer als die Anschaffung.

Worauf im Angebot zu achten ist

  • Bei welcher Außentemperatur werden die 70 °C erreicht? Angaben ohne Betriebspunkt sind wertlos.
  • Wie hoch ist die Leistungszahl bei A−7/W55 — dem realistischen Winterbetriebspunkt?
  • Läuft der Heizstab im Auslegungsfall mit? Dann ist die Anlage keine echte Hochtemperaturlösung.
  • Ist die Auslegung durch eine Heizlastberechnung belegt und nicht durch die Kesselleistung geschätzt?

Ob Ihr Altbau wirklich 70 °C braucht, sagt eine Messung — nicht das Baujahr. Mehr zur Altbau-Modernisierung.

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