Die verbindliche Grundlage für die Auslegung ist die raumweise Heizlastberechnung. Trotzdem lohnt eine zweite, unabhängige Zahl: Der tatsächliche Verbrauch der vergangenen Jahre zeigt, wie das Gebäude sich wirklich verhält — inklusive Nutzerverhalten, tatsächlicher Raumtemperaturen und undichter Stellen, die keine Norm kennt.
Schritt 1: Verbrauch in Kilowattstunden
Auf der Gasrechnung steht der Verbrauch bereits in Kilowattstunden. Wer nur Kubikmeter am Zähler abliest, rechnet mit Brennwert und Zustandszahl um — beides steht auf der Abrechnung, in der Summe ergibt sich meist ein Faktor um 10 kWh je Kubikmeter. Bei Öl rechnen Sie mit rund 10 kWh je Liter.
Schritt 2: Warmwasser abziehen
Wird das Warmwasser über dieselbe Anlage bereitet, gehören etwa 500 bis 800 kWh je Person und Jahr abgezogen, bei Zirkulationsleitung eher mehr. Alternativ hilft der Sommerverbrauch: Was die Anlage von Juni bis August verbraucht, ist praktisch reines Warmwasser — mal vier gerechnet ergibt eine gute Jahreszahl.
Schritt 3: Nutzungsgrad berücksichtigen
Nicht jede Kilowattstunde Gas kam als Wärme im Raum an. Realistische Werte: Brennwertkessel etwa 0,90 bis 0,95, Niedertemperaturkessel 0,80 bis 0,88, alter Standardkessel 0,70 bis 0,80. Multiplizieren Sie den Heizanteil mit diesem Faktor — das Ergebnis ist die tatsächliche Heizwärme.
Schritt 4: Durch die Vollbenutzungsstunden teilen
Für den Münchner Raum liegt die Zahl der Heizvollbenutzungsstunden bei etwa 2.000 bis 2.200 Stunden im Jahr. Heizwärme geteilt durch diesen Wert ergibt die überschlägige Heizlast in Kilowatt.
| Rechenschritt | Beispielwert |
|---|---|
| Gasverbrauch je Jahr | 22.000 kWh |
| abzüglich Warmwasser (3 Personen) | −2.000 kWh |
| Heizanteil | 20.000 kWh |
| × Nutzungsgrad 0,90 | 18.000 kWh Heizwärme |
| ÷ 2.100 Vollbenutzungsstunden | rund 8,6 kW Heizlast |
Was die Zahl wert ist — und was nicht
- Sie ist eine Gegenprobe. Weicht das Angebot des Installateurs um mehr als etwa 20 Prozent nach oben ab, fragen Sie nach. Überdimensionierung ist der häufigste Planungsfehler und führt direkt zu Taktbetrieb.
- Sie ersetzt keine raumweise Berechnung. Wie groß die Heizflächen je Raum sein müssen und welche Vorlauftemperatur reicht, sagt der Verbrauch nicht — dazu Heizleistung berechnen.
- Drei Jahre mitteln. Ein milder Winter verzerrt das Bild deutlich.
- Verhalten mit einrechnen. Wurden Räume gar nicht beheizt oder soll künftig wärmer geheizt werden, korrigieren Sie den Wert nach oben.
- Nach einer Sanierung ist der Altverbrauch wertlos. Neue Fenster oder ein gedämmtes Dach senken die Heizlast erheblich — siehe Erst dämmen, dann Wärmepumpe.
Der zweite Blick: welche Vorlauftemperatur reicht?
Der Verbrauch sagt nichts über die nötige Systemtemperatur. Diese Frage klärt der Praxistest an einem kalten Tag: Vorlauftemperatur schrittweise senken und beobachten, ob alle Räume ihre Temperatur halten. Die Anleitung dazu steht unter Vorlauftemperatur senken; bleibt ein Raum zurück, hilft Heizkörper-Leistung berechnen.
Aus Heizlast und Systemtemperatur ergibt sich anschließend der Bivalenzpunkt und damit die Gerätegröße. Zur Einordnung typischer Werte siehe Welche kW-Leistung braucht die Wärmepumpe.
Wir rechnen Heizlast und Verbrauchsanalyse gegeneinander, bevor ein Gerät ausgewählt wird — Heizlastberechnung oder direkt Anfrage stellen.


