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Ratgeber

Bivalenzpunkt und Betriebsweise der Wärmepumpe.

Monoenergetisch, bivalent-parallel oder alternativ: Was der Bivalenzpunkt bedeutet, warum er über den Heizstabanteil entscheidet und welcher Wert für München sinnvoll ist.

Münchener Wärmepumpen2 Min. Lesezeit
Bivalenzpunkt und Betriebsweise der Wärmepumpe

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe die Heizlast nicht mehr allein deckt und ein zweiter Wärmeerzeuger einspringt. Er ist keine Gerätekenngröße, sondern eine Planungsentscheidung — und er bestimmt maßgeblich, wie viel teurer Strom über den Heizstab läuft.

Wie der Punkt entsteht

Die Heizlast steigt linear, je kälter es wird. Die Leistung einer Luft-Wärmepumpe fällt gleichzeitig, weil die Quelle kälter wird. Beide Geraden schneiden sich — dieser Schnittpunkt ist der Bivalenzpunkt. Bezugsgröße ist die Norm-Außentemperatur des Standorts; für München und das Umland werden je nach Lage und Höhe etwa −14 bis −16 °C angesetzt.

Die vier Betriebsweisen

BetriebsweisePrinzipTypisch für
monovalentWärmepumpe deckt allein bis zur Norm-AußentemperaturErdwärme, gut gedämmter Neubau
monoenergetischWärmepumpe plus elektrischer Heizstabder Regelfall bei Luft-Wasser-Geräten
bivalent-parallelzweiter Erzeuger läuft unterhalb des Punkts zusätzlichHybrid mit vorhandenem Kessel
bivalent-alternativWärmepumpe schaltet ab, Kessel übernimmt vollständigAltbau mit sehr hoher Vorlauftemperatur

Die Varianten mit zweitem Kessel beschreibt Hybridheizung; wenn die alte Anlage vorerst hängen bleibt, siehe Wärmepumpe zur alten Heizung dazubauen.

Warum ein tiefer Bivalenzpunkt weniger bringt als gedacht

Sehr kalte Tage sind selten. Ein Bivalenzpunkt bei −5 °C bedeutet in unserem Klima, dass die Wärmepumpe rund 95 bis 98 Prozent der Jahresheizarbeit allein leistet — der Heizstab übernimmt nur wenige Prozent. Wer den Punkt auf −10 °C legt, braucht ein deutlich größeres und teureres Gerät, das den Rest des Jahres im unteren Teillastbereich arbeitet und taktet. Meist ist die kleinere Maschine mit etwas Heizstabanteil sowohl in der Investition als auch im Betrieb günstiger.

Umgekehrt gilt: Liegt der Punkt bei 0 °C oder darüber, läuft der Heizstab in München über viele Wochen mit. Dann steigen die Kosten spürbar, und die Jahresarbeitszahl fällt unter die Erwartung.

Sinnvolle Zielwerte

  • Neubau oder saniertes Gebäude mit Flächenheizung: −7 bis −10 °C, häufig sogar monovalent möglich
  • Bestand mit gemischten Heizflächen: −5 bis −7 °C, monoenergetisch
  • Altbau mit hoher Vorlauftemperatur: −3 bis −5 °C, dafür konsequente Absenkung der Systemtemperatur, siehe Vorlauftemperatur senken

Prüfen, was die Regelung wirklich macht

In vielen Anlagen ist die Heizstabfreigabe ab Werk zu früh gesetzt — nicht selten bei 0 °C oder ohne Sperre. Lesen Sie die Betriebsstunden des Zusatzheizers aus: Liegen sie nach einem Winter im dreistelligen Bereich, stimmt entweder die Freigabetemperatur nicht oder die Anlage kommt hydraulisch nicht auf ihre Leistung. Die Checkliste dazu steht unter Wärmepumpe selbst optimieren.

Beachten Sie außerdem: Auch nach Sperrzeiten des Netzbetreibers nach § 14a EnWG und beim Aufheizen nach einer Absenkung springt der Heizstab gern ein — beides hat mit dem Bivalenzpunkt nichts zu tun, taucht aber in derselben Statistik auf.

Grundlage bleibt die Berechnung

Bivalenzpunkt und Gerätegröße lassen sich nur aus der raumweisen Heizlast und der Leistungskurve des konkreten Geräts bestimmen, nicht aus Quadratmetern. Siehe Heizleistung berechnen und zur Plausibilitätsprüfung Heizlast aus dem Gasverbrauch. Wie sich die Leistung bei Frost tatsächlich verhält, beschreibt Wärmepumpe im Winter.

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