Wärmepumpe und Wallbox sind die beiden größten Einzelverbraucher im Haus. Kommen sie zusammen, stellt sich zweimal dieselbe Frage: Reicht der Hausanschluss, und wer bekommt Vorrang, wenn es eng wird?
Die Leistungsrechnung
Ein üblicher Hausanschluss mit 63 A Absicherung stellt rund 43 kW bereit. Dagegen stehen: Wallbox 11 kW, Wärmepumpe je nach Größe 2 bis 6 kW elektrisch, Durchlauferhitzer 18 bis 27 kW, Herd, Backofen und der übrige Haushalt. Rechnerisch geht das nicht gleichzeitig auf — praktisch fast immer, weil selten alles zusammenfällt. Genau diese Wette geht ohne Steuerung irgendwann schief, und dann fliegt die Hauptsicherung.
Statisch oder dynamisch steuern
| Verfahren | Prinzip | Bewertung |
|---|---|---|
| feste Drosselung | Wallbox dauerhaft auf z. B. 7,4 kW begrenzt | einfach, verschenkt Ladeleistung |
| statisches Lastmanagement | feste Prioritäten zwischen den Verbrauchern | solide, ohne Messung am Hausanschluss |
| dynamisches Lastmanagement | Messung am Hausanschluss, Wallbox regelt in Echtzeit nach | beste Ausnutzung, benötigt Zähler und Energiemanager |
Für Neuinstallationen ist die dynamische Variante der sinnvolle Standard: Ein Sensor am Hausanschluss meldet die aktuelle Last, die Wallbox reduziert den Ladestrom, sobald Wärmepumpe oder Herd zulangen. Die Wärmepumpe wird dabei fast nie gedrosselt — sie hat die kleinere Leistung und den unaufschiebbaren Auftrag.
§ 14a EnWG betrifft beide
Wärmepumpe und Wallbox gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber darf die Leistung im Bedarfsfall auf ein Mindestmaß reduzieren, im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte. Wichtig: Die Reduzierung gilt für die Summe der steuerbaren Einrichtungen — ein hausinternes Energiemanagement verteilt das verbleibende Kontingent dann selbst und legt es im Zweifel auf die Heizung. Details unter § 14a EnWG und Stromanschluss und Zähler.
Photovoltaik-Überschuss verteilen
Mit eigener Photovoltaikanlage kehrt sich die Frage um: Nicht Knappheit, sondern Überschuss ist zu verteilen. Eine bewährte Priorisierung:
- Sommer: Warmwasserladung zuerst, danach Fahrzeug — die Wärmepumpe braucht wenig, das Auto kann stundenlang laden.
- Übergangszeit: Heizbetrieb mit leichter Überhöhung des Puffers hat Vorrang, das Fahrzeug lädt mit dem Rest.
- Winter: Der Ertrag reicht selten für beides; hier entscheidet der Netzbezug, nicht die Priorität — siehe PV-Größe für die Wärmepumpe.
Damit das automatisch läuft, müssen beide Geräte über eine Schnittstelle erreichbar sein: die Wärmepumpe über SG Ready, EEBus oder Modbus, die Wallbox über den Energiemanager desselben Herstellers oder ein offenes System. Zwei getrennte Insellösungen regeln gegeneinander und heben sich im Ergebnis auf.
Mit dynamischem Tarif
Bei zeitvariablen Preisen verschiebt der Manager Ladevorgang und Warmwasserbereitung in günstige Stunden. Das Fahrzeug ist dabei der dankbarere Verbraucher, weil es echte Zeitfenster hat — die Heizung folgt dem Wetter. Grundlagen unter Dynamischer Stromtarif.
Was in die Planung gehört
- Vorhandene Anschlussleistung und Zählerplatz prüfen lassen; Erweiterung frühzeitig beim Netzbetreiber anmelden.
- Beide Geräte anmelden — Wallboxen über 11 kW sind genehmigungspflichtig, darunter anzeigepflichtig.
- Leerrohre und Platz im Verteiler für Steuerleitungen, Wandler und Steuerbox vorsehen.
- Ein System für das Energiemanagement festlegen, bevor die Geräte bestellt werden.
- Bei Mehrfamilienhäusern und Gewerbeobjekten mit mehreren Ladepunkten ist dynamisches Management ohnehin Pflichtprogramm.
Wir planen Wärmepumpe, Ladeinfrastruktur und Steuerung als ein System — Anfrage stellen.



