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Ratgeber

Realistische Jahresarbeitszahlen aus der Praxis.

Welche Jahresarbeitszahl ist realistisch? Messwerte aus Feldstudien für Luft-, Sole- und Wasser-Wärmepumpen, Einflussfaktoren und wie Sie Ihre eigene JAZ ermitteln.

Münchener Wärmepumpen2 Min. Lesezeit
Realistische Jahresarbeitszahlen aus der Praxis

Datenblätter versprechen SCOP-Werte von 4,5 bis 5,5. Feldmessungen in bewohnten Gebäuden liefern niedrigere Zahlen — nicht weil die Geräte schlechter sind, sondern weil im echten Haus Warmwasser, Takten, Hilfsantriebe und höhere Vorlauftemperaturen mitrechnen.

Was in der Praxis erreicht wird

AnlagentypNeubauBestand saniertBestand unsaniert
Luft-Wasser3,5–4,23,0–3,72,4–3,0
Sole-Wasser (Erdsonde)4,2–4,83,8–4,43,2–3,8
Wasser-Wasser4,5–5,24,0–4,83,5–4,2

Die Spanne innerhalb einer Zeile ist größer als der Unterschied zwischen den Zeilen — das heißt: Die Ausführung wiegt schwerer als die Bauart. Zwei identische Geräte im selben Haustyp können 2,8 oder 3,7 erreichen.

Was die Zahl nach unten zieht

  • Warmwasser: senkt die Gesamt-JAZ um 0,2 bis 0,5, weil es ganzjährig hohe Temperaturen verlangt.
  • Heizstab: Jede Kilowattstunde aus dem Zusatzheizer zählt mit Arbeitszahl 1, siehe Heizstab.
  • Takten: bis zu 15 % schlechter bei überdimensionierten Anlagen.
  • Hilfsantriebe: Umwälzpumpen und Regelung laufen dauerhaft mit.
  • Hydraulische Weiche: hebt die nötige Vorlauftemperatur, siehe Hydraulische Weiche.
  • Zu hohe Heizkurve: der häufigste und am leichtesten behebbare Punkt.

So messen Sie Ihre eigene JAZ

  • Schritt 1: Wärmemengenzähler ablesen (gelieferte Wärme in kWh), siehe Wärmemengenzähler.
  • Schritt 2: Stromzähler der Wärmepumpe ablesen — inklusive Heizstab und Hilfsantriebe.
  • Schritt 3: Wärme ÷ Strom = Jahresarbeitszahl.
  • Schritt 4: Jährlich zum selben Stichtag wiederholen, idealerweise Anfang Juni.

Ohne Wärmemengenzähler bleibt nur der Vergleich des Stromverbrauchs mit Vorjahren bei ähnlichem Wetter — das erkennt Verschlechterungen, aber keine absoluten Werte.

Welche Zahl gut genug ist

Als Orientierung: Ab einer JAZ von 3,0 arbeitet eine Luft-Wärmepumpe im Bestand wirtschaftlich gegenüber Gas — vorausgesetzt, der Strom kommt aus einem Wärmepumpentarif. Ab 3,5 ist die Anlage gut eingestellt, ab 4,0 sehr gut. Unter 2,5 stimmt etwas nicht; die Ursachensuche steht unter Verbraucht zu viel Strom.

Was 0,5 mehr JAZ bedeutet

Beispiel 20.000 kWh Wärmebedarf:

  • JAZ 3,0 → 6.670 kWh Strom → 1.735 € (26 ct)
  • JAZ 3,5 → 5.710 kWh Strom → 1.485 €
  • JAZ 4,0 → 5.000 kWh Strom → 1.300 €

Der Sprung von 3,0 auf 3,5 spart 250 € im Jahr — meist erreichbar allein durch Heizkurve, Abgleich und die Kontrolle der Heizstabfreigabe. Das ist keine Investition, sondern Einstellungsarbeit.

Vorsicht bei Herstellerangaben

SCOP-Werte gelten für normierte Bedingungen und meist für 35 °C Vorlauf. Wer im Bestand mit 50 °C fährt, muss mit deutlich weniger rechnen. Fragen Sie im Angebot nach der Leistungszahl bei A−7/W45 oder A2/W45 — den Betriebspunkten, in denen die Anlage die meisten Stunden verbringt. Die Grundlagen der Kennzahlen erklärt Jahresarbeitszahl und SCOP.

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