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Nachtabsenkung bei der Wärmepumpe: sinnvoll oder teuer?

Bei Gas- und Ölheizungen war die Nachtabsenkung Standard. Bei der Wärmepumpe kostet sie meist mehr, als sie spart. Was dahintersteckt und welche Ausnahmen es gibt.

Münchener Wärmepumpen2 Min. Lesezeit
Nachtabsenkung bei der Wärmepumpe: sinnvoll oder teuer?

Die Nachtabsenkung stammt aus der Zeit hoher Vorlauftemperaturen. Ein Kessel arbeitet mit annähernd gleichem Wirkungsgrad, ob er 40 oder 70 °C liefert — jede nicht geheizte Stunde war deshalb gespart. Eine Wärmepumpe verhält sich genau umgekehrt.

Warum die Absenkung bei der Wärmepumpe nach hinten losgeht

Die Effizienz hängt direkt an der Vorlauftemperatur: Jedes Grad weniger bringt rund 2,5 Prozent. Nach einer Absenkung muss die Anlage das ausgekühlte Gebäude morgens wieder aufheizen — und zwar schnell. Dazu fährt die Regelung die Vorlauftemperatur hoch, oft mit Unterstützung des Heizstabs. Die teure Aufheizphase frisst die Einsparung der Nacht regelmäßig auf.

Dazu kommt: Der Wärmeverlust eines Hauses hängt an der Temperaturdifferenz zur Außenluft. Eine Absenkung um 2 K senkt den Verlust in dieser Zeit um vielleicht 6 Prozent — der Effizienzverlust beim Wiederaufheizen liegt in derselben Größenordnung oder darüber.

Fußbodenheizung: klar nein

Eine Fußbodenheizung ist träge. Estrich und Bodenbelag brauchen Stunden, bis eine Änderung ankommt. Eine nächtliche Absenkung wirkt deshalb erst am Vormittag, wenn niemand sie braucht, und die Regelung heizt gegen die eigene Speichermasse an. Hier gilt ohne Ausnahme: durchgehend fahren, Heizkurve so tief wie möglich.

Heizkörper: höchstens eine milde Absenkung

Bei Heizkörpern reagiert das System schneller. Eine Absenkung von ein bis zwei Kelvin über sechs bis acht Stunden kann in schlecht gedämmten Gebäuden knapp positiv ausfallen — vorausgesetzt, das Wiederaufheizen erfolgt ohne Heizstab und ohne Vorlaufsprung. Größere Sprünge von 4 oder 5 K bringen fast immer ein Minus.

SituationEmpfehlung
Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungkeine Absenkung
Heizkörper, gut gedämmtkeine oder maximal 1 K
Heizkörper, Altbau mit hohem Vorlauf1 bis 2 K, Ergebnis nachmessen
Längere Abwesenheit ab etwa drei TagenAbsenkung sinnvoll, siehe Urlaubsbetrieb

Die sinnvollen Ausnahmen

  • Sperrzeiten des Netzbetreibers: Nach § 14a EnWG darf die Leistung zeitweise gedrosselt werden. Hier senkt nicht der Komfortwunsch ab, sondern das Netz — die Anlage sollte vorher leicht überhöhen und Speichermasse nutzen.
  • Zeitvariable Strompreise: Mit einem dynamischen Tarif kann eine Verschiebung des Heizbetriebs in günstige Stunden wirtschaftlich sein — das ist eine Preis-, keine Verlustoptimierung.
  • Schallschutz: Steht das Außengerät nah an einem Schlafzimmerfenster, kann ein Nachtmodus mit reduzierter Drehzahl sinnvoll sein. Details unter Schallschutz und Wärmepumpe zu laut.

Was stattdessen wirkt

Statt zeitlicher Absenkung senken Sie dauerhaft das Niveau: Heizkurve schrittweise reduzieren, Thermostatventile öffnen, Vorlauftemperatur senken. Eine durchlaufende Anlage mit niedriger Vorlauftemperatur verbraucht weniger als eine, die täglich zweimal Sprünge ausgleicht — und sie taktet deutlich weniger.

Wenn Sie die Absenkung testen wollen: zwei Wochen mit, zwei Wochen ohne, jeweils Zählerstand und Heizgradtage notieren. Ohne Messung ist jede Aussage dazu Glaubenssache. Bewertungsmaßstäbe liefert Realistische Jahresarbeitszahlen.

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