Der häufigste Einwand gegen Wärmepumpen betrifft den Winter — zu Unrecht in der Sache, zu Recht in der Größenordnung. Sie heizen auch bei −15 °C zuverlässig, liefern dann aber weniger Leistung und brauchen mehr Strom je Kilowattstunde Wärme.
Was bei Frost passiert
| Außentemperatur | Verfügbare Heizleistung | Leistungszahl (bei 45 °C Vorlauf) |
|---|---|---|
| +7 °C | 100 % | 3,8–4,4 |
| +2 °C | ca. 90 % | 3,2–3,7 |
| −7 °C | ca. 75 % | 2,4–2,9 |
| −15 °C | ca. 60 % | 1,9–2,3 |
Zwei Effekte überlagern sich: Die Luft enthält weniger nutzbare Wärme, und gleichzeitig steigt die nötige Vorlauftemperatur, weil das Haus mehr Wärme verliert. Der Temperaturhub wächst also von beiden Seiten.
Wie viele Tage betrifft das überhaupt?
In München liegt die Normaußentemperatur bei −12 °C — sie wird an wenigen Stunden im Jahr erreicht. Über eine typische Heizperiode verteilt sich die Arbeit so:
- rund 60 % der Heizarbeit fallen zwischen +5 und +12 °C an
- rund 30 % zwischen −2 und +5 °C
- weniger als 10 % unterhalb von −5 °C
Deshalb bestimmt nicht der kälteste Tag die Jahresbilanz, sondern die Übergangszeit. Eine Anlage, die dort sauber läuft, erreicht eine gute Jahresarbeitszahl — auch wenn sie im Januar schwächelt.
Der Heizstab: Notnagel, nicht Dauerlösung
Jede Wärmepumpe hat einen elektrischen Zusatzheizer. Richtig ausgelegt deckt er ein bis drei Prozent der Jahresarbeit ab und kostet 30 bis 80 € im Jahr. Läuft er regelmäßig mit, stimmt etwas nicht:
- Gerät zu klein ausgelegt, siehe Leistung bestimmen
- Heizkurve zu steil, siehe Heizkurve einstellen
- Vorlauftemperatur höher als nötig, siehe Vorlauftemperatur senken
- Heizstab in der Regelung zu früh freigegeben — Freigabetemperatur prüfen lassen
Ein einfacher Test: Zählerstand vor und nach einer Frostwoche notieren. Springt der Verbrauch überproportional, arbeitet der Heizstab mit.
Abtauen im Winter
Zwischen +6 und −2 °C bei feuchter Luft bildet sich Reif am Verdampfer, den das Gerät regelmäßig abtaut. Das ist normal und in jedem SCOP-Wert eingerechnet. Kritisch wird es erst bei geschlossener Eisschicht oder sehr häufigen Zyklen — Ursachen und Abhilfe stehen unter Vereisung und Abtaubetrieb.
Was den Winterverbrauch senkt
- Durchheizen statt Nachtabsenkung: Der morgendliche Wiederaufheizvorgang bei −10 °C kostet mehr, als die Absenkung spart.
- Ventile offen lassen: Zugedrehte Thermostate zwingen die Anlage in ungünstige Betriebspunkte.
- Warmwasser zeitlich legen: mittags statt frühmorgens, wenn es draußen am kältesten ist.
- Schnee und Laub freihalten: Der Luftweg am Verdampfer muss offen bleiben, siehe Aufstellort.
- Türen zu unbeheizten Räumen schließen — banal, aber im Frost wirksam.
Wer kein Winterproblem hat
Erdwärme- und Grundwasseranlagen arbeiten mit konstanter Quellentemperatur und verlieren im Januar praktisch nichts an Leistung. Wer in exponierter Lage baut oder viel Wert auf Winterstabilität legt, sollte Erdwärme zumindest rechnen lassen. Für den Bestand mit hoher Vorlauftemperatur ist die Hochtemperatur-Wärmepumpe die passendere Antwort.
Und wenn der Strom ausfällt?
Dann steht die Wärmepumpe — wie jede moderne Gastherme auch, die ohne Strom weder Pumpe noch Regelung betreiben kann. Für längere Ausfälle helfen nur Notstromlösungen oder ein Holzofen; die Anlagentechnik selbst nimmt einen Ausfall nicht übel. Wichtig ist danach nur: Frostschutz der Außenleitungen prüfen, siehe Monoblock oder Split.
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